Wie von einer Dampfwalze wurde der TSV Vellmar von der SV Germania Fritzlar II im Gipfeltreffen der Handball-Landesliga überrollt. Dabei präsentierte sich der Oberliga-Absteiger speziell in der ersten Halbzeit nahezu meisterlich. Die Vellmarerinnen überwintern nach der 28:36 (11:21)-Niederlage auf dem zweiten Tabellenplatz – hinter Spitzenreiter Fritzlar II.

Zugegeben, ein wenig mehr Spannung hätte es schon sein dürfen. Gerade im Spitzenspiel. Gerade, wenn es um die Tabellenführung geht. Und gerade vor solch einer eindrucksvollen Kulisse in der pickepackevollen Vellmarer Großsporthalle. Was sich dann aber in den ersten 30 Minuten auf der Platte abspielte, war eine Demonstration der Fritzlarer Spielstärke. Ein Spiel auf Augenhöhe? Alles andere als das – zumindest nicht in Durchgang eins. Und nicht grundlos bezeichnete Fritzlars Trainer Gunnar Kliesch die erste Hälfte als „sensationell“.

Auf und davon: Die Vellmarerin Elisa Steiner (Mitte) setzt sich gegen Chantal Reimbold (links) und Nina Albus von Germania Fritzlar durch.© Andreas Fischer

Mit zunächst statisch wirkenden Vellmarerinnen machten die Gäste kurzen Prozess. Aber sowas von. Kaum einen technischen Fehler leistete sich der Gast, dessen Tempospiel eine echte Waffe war. Fünf Minuten hielt Vellmar dieser Geschwindigkeit stand – Leonie Homburg glich noch zum 3:3 aus. Dann aber nahm das Unheil aus Sicht des TSV konkrete Formen an. Auf 6:3 hatte sich Fritzlar abgesetzt, als Vellmars Coach Sebastian Menche die erste Auszeit nahm. Dem Fritzlarer Spielfluss tat das aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Mit vielen vermeidbaren Ballverlusten und überhasteten Torabschlüssen präsentierte sich der TSV äußerst spendabel, wenn es um das Verteilen von Geschenken ging. Fritzlars Chantal Reimbold stellte Mitte der ersten Halbzeit auf 12:6. Nur sechs Minuten später lagen die Gäste bereits mit 17:10 vorn und warfen bis zur Halbzeitpause einen Zehn-Tore-Vorsprung heraus.

Das Spiel war so gut wie entschieden. Trotzdem raffte sich der TSV noch einmal auf und biss sich regelrecht in dieses Spiel hinein. „Das war megastark. Wir haben gekämpft und zusammengespielt – das hat uns schon in den letzten Spielen ausgezeichnet“, erklärte TSV-Trainer Menche, der nun ein anderes Gesicht seines Teams sah. Bis auf fünf Tore kamen die Gastgeberinnen heran – mehr war aber nicht drin. Fritzlar legte in einer furiosen ersten Halbzeit den Grundstein für einen Sieg, der bereits jetzt ein aussagekräftiges Bewerbungsschreiben für die Oberliga war.

Vellmar: Bock, Stern – Homburg 5, Steiner 2, Schmalz 1, Deichmann 2, Schneider 10/2, Geßner 3, Scherer 5/5, Griesmeier, Eckel.

Fritzlar: Suchy – Grothnes 3, Alter 7, Reimbold 5, Albus 4/1, Puda 4, Naumann 7/7, Stockschläder 2, Bachmann 3, Bücker 1, Israel, Werner

HNA Online /// Raphael Wieloch /// Foto: Andreas Fischer