Lange sah es nach einem Kantersieg aus. Danach, dass die Handballerinnen des SV Germania Fritzlar nicht nur zwei Punkte in der 3. Liga Ost gegen den HSG Rodgau Nieder-Roden holen würden. Sondern eben auch ihre Fans verzücken. Doch nach zwischenzeitlicher Zehn-Tore-Führung hieß es am Ende lediglich 31:27 (20:12).

„Wir haben den Gegner selbst aufgebaut. In der Abwehr waren wir plötzlich ständig einen Schritt zu spät und haben uns nicht mehr so gut bewegt“, sagte Handball-Lehrer Lucky Cojocar. Und hatte seinem Team die nächste Hausaufgabe direkt nach dem Abpfiff übermittelt: Auslaufen, Analysieren und erst danach zum Anhang gehen.

Am Ende viel Widerstand: Fritzlars Xenia Ahrend (Mitte) nimmt es hier mit Nieder-Rodens Christine Burgard (links) und Janina Hess auf. © Pressebilder Hahn

Zu unnötig war es schlichtweg, dass Nieder-Roden nach dem 24:14 (39.) noch zu einem 13:6-Lauf kommen konnte. Die Baggerseepiraten nahmen dabei ihr Herz in die Hand und legten mit Esther Lieber und Janina Dreyer in der vogelwilden Schlussphase zwei Fritzlarerinnen an die kurze Leine. Und wenn Xenia Ahrend (2) und Maria Kiwa nicht nachgelegt hätten, wäre wohl tatsächlich noch Spannung aufgekommen.

So blieb es beim dezenten Ärgern Nieder-Rodens, das im ersten Durchgang hoffnungslos unterlegen war. Da war nicht viel von der Aufstiegseuphorie zu sehen. Vielmehr lieferte sich die HSG mit den schwachen Schiedsrichtern Scheller/Walther ein Duell, wer mehr Fehler macht. In schöner Regelmäßigkeit kamen Pässe nicht an. Die Torfrauen Larissa Vogt (bis 14. Minute) und Juliane Neubauer (14. bis 30.) bekamen 25 Minuten nicht eine Hand an den Ball. Die erste Parade gelang dann Neubauer, die allerdings von Ahrend angeworfen wurde.

Auf der Gegenseite unterstrich Vanessa Maier ihre Ausnahmestellung in der 3. Liga. Allein ein Dutzend Paraden – und damit sechsmal so viele wie Vogt und Neubauer zusammen – gelangen ihr bis zur Pause. Veredelt durch einen mit Glück und Geschick gehaltenen Wurf von Jana Heßler. Der landete am Pfosten, ehe Maier blitzschnell erkannte, dass die Gäste ihre Torhüterin von der Platte genommen hatten, so dass Maier selbst das Tor zum 11:6 glückte (13.).

Ein Vorsprung, der Kollektiv erarbeitet wurde, weil Fritzlar bis dahin bereits von allen Positionen getroffen hatte. Vorzugsweise per Tempogegenstoß und erster Welle wurde die HSG in dieser Phase vom Domstadtexpresse überrannt. Über 15:8 (20., Kiwa) und 24:14 (39., Puntschuh) war der Weg zum Kantersieg geebnet. Warum die Germaninnen ihn nicht weiter gingen, müssen sie sich wohl selbst noch erklären.

Fritzlar: Maier 1 (18 Paraden/19 Gegentore), Gürbig (5/8) – Dietrich 4, Holeczy, Huck 6/1, Ahrend 5/1, Puntschuh 1, Lieber 2, Dreyer 2, Kiwa 6, Krüger 4.

Nieder-Roden: Vogt (0/14), Kretzschmer (6/9), Neubauer (2/8) – Burgard 1, Subay, Bretz 5, L. Keller 2, Gotta, Koss 4, Magnogo 4/2, K. Keller 3, Stöhrer, Göbel, Hess 1, Heßler 7/2.

SR: Scheller/Walther. Zuschauer: 160.

Siebenmeter: 2/2:5/4. Zeitstrafen: 4:4-Minuten.

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: Hahn