Sie haben die Erwartungen mal wieder übertroffen. Der stärker eingeschätzten südhessischen Konkurrenz getrotzt. Sie ließen sich vom Verletzungspech nicht beirren. Und sicherten sich zum zweiten Mal nach 2016 die Meisterschaft in der 3. Liga Ost.

Die Handballerinnen des SV Germania Fritzlar, die indes den Sprung in die 2. Liga auch aufgrund wirtschaftlicher Fragezeichen während der Corona-Pandemie erneut nicht wagen. „Völlig nachvollziehbar“ findet Fritzlars Linksaußen Lena Dietrich diese Entscheidung und ärgert sich vielmehr darüber, „dass wir den Titel nicht zusammen feiern konnten.“

Die Fäuste der Meisterinnen: Das Team des SV Germania Fritzlar mit (hinten von links) Kathleen Nepolsky, Xenia Ahrend, Maria Kiwa, Janina Dreyer, Lena Dietrich, Hannah Puntschuh, Esther Lieber, Physiotherapeutin Tanja Brachvogel, Lea Gürbig, Melina Horn und (vorne von links) Anamaria Puda, Luisa Krüger, Vanessa Maier, Anna Holeczy, Bibiana Huck und Lorena Lorenz mit Sohnemann Carlo. © Germania Fritzlar

Denn allein zu sein passt so gar nicht zur Germania, die traditionell im Kollektiv glänzt. Keine Spur von Sololäufen beim Abschluss, was sich in der Torjägerliste bemerkbar macht. Da schaffte es lediglich Rechtsaußen Bibiana Huck als Zehnte mit 75/12-Treffern in die Top Ten. Intern folgen Esther Lieber (68/15), Maria Kiwa (64/3), Xenia Ahrend (59/15), Janina Dreyer (57) und eben Dietrich (54) auf Augenhöhe. „Wer die Tore wirft, ist uns vollkommen egal“, unterstreicht die Gegenstoßspezialistin, die 2015 aus Böddiger kam.

„Vom Kopf her noch stabiler“

Derlei Uneigennützigkeit und Ausgeglichenheit ist ein Schlüssel zum Erfolg, die Ruhe im Umfeld ein Zweiter. „Druck vom Vorstand gab es nie. Dadurch hat sich das Team flexibel entfalten und vom Kopf her noch stabiler werden können“, bekräftigt Lucky Cojocar. Drei, zwei, eins – das ist an Endplatzierungen die logische Konsequenz seit 2018 unter der Regie des Handball-Lehrers.

Dessen lösungsorientiertes Denken war mehr denn je gefragt, weil die Liste der Ausfälle phasenweise länger war als die der spielfähigen Akteurinnen. Ende der Hinserie trainierten regelmäßig nur sechs bis acht Kräfte in den Einheiten. Da mussten vor allem Melina Horn (Karriereende nach Knieverletzung), Hannah Puntschuh, Xenia Ahrend (beide Kreuzbandriss) und Maria Kiwa (Nasenbeinbruch) lange passen. „Das hat uns nur noch mehr zusammen geschweißt, weil wir wussten: Mehr als schiefgehen kann es ja nicht“, betont Dietrich. Somit avancierte die Rechtshänderin zu einer Exotin im Kader, weil neben ihr nur Dreyer und Huck von den Feldspielerinnen immer mitwirken konnten.

Eins mit Sternchen für die Torfrauen

Zum Glück für die Germania blieben die Torhüterinnen verschont. Vanessa Maier und Lea Gürbig bekommen von ihrem Coach auch eine Eins mit Sternchen ins Zeugnis. Zusammen mit Lieber und Dreyer im Mittelblock war das ein Faustpfand für die mit durchschnittlich nur 21,33 Gegentreffern beste Abwehr aller 48 Drittligisten. Selbst die Torfabrik der Liga kam zweimal zum Erliegen. Die TSG Eddersheim nämlich, die in beiden Spitzenspielen jeweils 21:25 unterlag. „Dabei haben sich Koordination und Stabilisation ausgezahlt. Wir sind viel beweglicher und wendiger auf den Beinen“, sieht Dauerbrennerin Dietrich die zweite Meisterschaft mit der Germania als Lohn harter Arbeit.