Das war eine Meisterleistung. Eine fast perfekte Runde mit 16 Siegen aus 18 Spielen bei nur einer Niederlage. Die direkte Rückkehr des SV Germania Fritzlar II in die Handball-Oberliga der Frauen als mit fünf Punkten Vorsprung bestes Team der Landesliga Nord.

„Ehrgeiz, Wille und Einsatz waren herausragend. Nachdem wir in einer exzellenten Vorbereitung athletisch die Voraussetzungen geschaffen hatten, konnten unserem Tempospiel niemand in der Klasse standhalten“, erklärt SVG-Coach Gunnar Kliesch. In jeder Einheit habe er mindestens zwölf Spielerinnen zur Verfügung gehabt, so dass er auch in den Partien häufig aus dem Vollen schöpfen und ohne Qualitätsverlust durchwechseln konnte.

Strahlen um die Wette: Die Handballerinnen des SV Germania Fritzlar II als Meister der Landesliga mit (hintere Reihe v. l.) Sarah Oschmann, Spielführerin Theresa Werner, Laura Stockschläder, (2. Reihe von hinten) Meike Naumann, Bianka Virag, Alina Küster, Laura Israel, Anamaria Puda (2. Reihe von vorn) Svenja Tampe, Lena Alter, Merle Bücker, Chantal Reimbold, Paula Bachmann, Hannah Grothnes, Katja Zeller, Charleen Krause und (vorn) N ina Albus, Nina Suchy, Luisa Fischmann. Es fehlen Trainer Gunnar Kliesch, Betreuerin Sandra Römer und Physiotherapeut Mirco Kilian. © SV Germania Fritzlar II

Angefangen im Tor, wo die erst 18-jährige Nina Suchy gerade bei schnellen Abschlüssen der Gegner parierte und dank ihrer starken Reflexe ein tolles Duo mit Katja Zeller bildete. Der 35-Jährigen, die jahrelang unter ihrem Mädchennamen Bode drittklassig für die Domstädterinnen spielte und von Kliesch bereits als 16-Jährige nach ihrem Wechsel aus Felsberg trainiert wurde. Zeller glänzte als Erste-Welle-Pass-Spielerin mit ihren Harpunen, die von Lena Alter, Merle Bücker und Hannah Grothnes bevorzugt verwandelt wurden.

Torgefahr von allen Positionen

Die 20-jährige frühere Hessenauswahl-Spielerin reifte in dieser Serie vom Talent zur Führungsspielerin. Und freundet sich perfekt mit ihrer neuen Position an. Denn in Kirchhof war Grothnes vor allem Linksaußen, jetzt führt sie Regie auf Rückraummitte. „Die Verantwortung trage ich gern und habe Spaß daran, Entscheidungen zu treffen“, betont das Energiebündel, das lieber die Mitspielerinnen einsetzt, anstatt selbst abzuschließen. Das hat eine ausgeglichene Bilanz in der Torjägerliste zur Folge.

„Auf allen Positionen gefährlich zu sein ist wertvoller, als das sich der Gegner nur auf eine Top-Spielerin konzentrieren muss“, betont Kliesch. Lediglich die Halblinke Chantal Reimbold liegt als Zehnte mit 110 Treffern in den Top Ten. Dahinter verteilen sich ein Großteil der 615 und damit durchschnittlich 34,17 Treffer auf Rechtsaußen Nina Albus (106/46), Spielmacherin Grothnes (85), Rückraumhoffnung Anamaria Puda (63), die jetzt fest in die erste Mannschaft aufrückt, und Linksaußen Lena Alter (55).

Aus zwei Spielen zog die Drittliga-Reserve die richtigen Konsequenzen. Heilsame Wirkung hatte vor allem die einzige Niederlage. Das 32:33 nach 17:10-Führung bei der TSG Dittershausen. „Da war eine gewisse Überheblichkeit zu spüren. Danach haben die Mädels jedes Spiel noch ernster genommen“, sagt Kliesch. Mit der Folge, dass sein Team die TSG im Rückspiel mit 38:22 deklassierte und dabei satte 62 Angriffe fuhr.

Noch mehr Spaß hatte die junge Mannschaft am Spitzenspiel in Vellmar. „Das haben wir ordentlich gewuppt“, blickt Regisseurin Grothnes auf die 36:28-Gala kurz vor Weihnachten. Spätestens da war klar: Fritzlar II lässt sich auf dem Weg zurück in die Oberliga nicht beirren. Und bleibt fast geschlossen zusammen. 13 Akteurinnen haben für die kommende Runde zugesagt. Lediglich Zeller, Naumann, Küster und Hoppe gehen, ehe Melina Horn als Trainerin übernimmt. „Wir haben das Zeug, um uns zu behaupten. Steigern müssen wir uns besonders in der Abwehr“, weiß Grothnes.

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: SVG