SV Germania Fritzlar geht neue Saison ganz flexibel an

Flexibilität ist Trumpf in der Domstadt: Nicht nur, dass der SV Germania Fritzlar erneut in einer anderen Staffel spielt (jetzt wieder der 3. Liga Ost), sondern auch die Handballerinnen bekommen neue Aufgaben.

Das ist der Tatsache geschuldet, dass vom 14er-Kader in den ersten Spielen am 15. September gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden und am 21. September beim Thüringer HC II mindestens drei Spielerinnen passen müssen. Kapitänin Melina Horn ist wegen eines Knorpelschadens im Knie zumindest noch zwei Wochen zur Ruhe verpflichtet. Offen, wann die Rückraumspielerin einsteigen kann.

Freuen sich auf die neue Saison: Fritzlars Trainer Lucky Cojocar präsentiert die Neuzugänge (von links) Kathleen Nepolsky und Jana Hoppe. © Pressebilder Hahn

Die Neuzugänge Kathleen Nepolsky und Jana Hoppe befinden sich nach Knieverletzungen im Aufbautraining. Ganz neu ist das Duo nicht, weil die flexible Rückraumkraft Hoppe aus der zweiten Mannschaft aufgerückt ist und nun mit 26 ihrer Drittliga-Premiere entgegenfiebert. Nepolsky trainierte zuletzt bereits einmal pro Woche unter Coach Lucky Cojocar mit, ist für beide Außenpositionen eingeplant und bringt aus ihrer Zeit beim HC Rödertal Bundesliga-Erfahrung mit.

„Wir machen das Beste draus“, sagt Xenia Ahrend, die am liebsten auf der Mitte angreift, aber im Feld schon überall zum Einsatz kam. Den Teamgeist stellt die 24-Jährige als Pluspunkt heraus, mit dem die Domstädterinnen weiterhin vorne mitmischen wollen. Erneut ohne Druck wie der Sportliche Leiter Steffen Schmude betont: „Die 2. Liga wäre ein Abenteuer, dem wir uns stellen würden. Prinzipiell fühlen wir uns in der 3. Liga aber bestens aufgehoben.“

Halle wird 2020 renoviert

Der Traum vom Aufstieg lebt bei den Spielerinnen dennoch. Auch im neunten Jahr in der Domstadt hat Bibiana Huck das große Ziel im Blick. Die Außen sieht sich nach dem Trainingslager für ein noch schnelleres Tempospiel gerüstet. Als aktuell einzige Linkshänderin bietet sie sich alternativ auf halbrechts im Rückraum an. „Das habe ich bis zur A-Jugend gespielt. Solange, bis ich nicht mehr gewachsen bin“, sagt die 29-Jährige augenzwinkernd.

Die Germania wird aber nicht nur flexibler angreifen, sondern auch verteidigen. Erste Wahl im Mittelblock sind die neue Vize-Kapitänin Janina Dreyer und Esther Lieber. Alternativ stehen Luisa Krüger und Maria Kiwa parat. Beide bewähren sich zudem vorgezogen in der 5:1-Abwehr. „Das liegt uns fast mehr als die 6:0, weil wir aggressiver verteidigen“, sagt Krüger. Wohlwissend, dass dem SVG 2020 eine weitere Veränderung bevorsteht: Die Großsporthalle wird renoviert. Der Baubeginn ist noch nicht terminiert.

Hintergrund:

Mitte der 1990er Jahre startete der Aufschwung beim SV Germania Fritzlar. Nach den Meisterschaften in der Kreisliga A (1995), Kreisliga (1996) und Bezirksliga (1997) sorgte die Germania als Vizemeister der Oberliga Nord 1998 erstmals hessenweit für Furore. 2004 gelang der Aufstieg in die Regionalliga Mitte. Seit 15 Jahren beweisen sich die Domstädterinnen drittklassig – diese Konstanz ist einmalig in Deutschland. 2010 wurde die 3. Liga im Zuge der Ligenstruktur-Reform des Deutschen Handballbundes eingeführt.

Nach dem zehnten Platz 2011 in der West-Staffel ist Flexibilität angesagt. Denn schon sechs Mal in nur neun Jahren musste Fritzlar die Staffel wechseln. Das änderte nichts am erfolgreichen Abschneiden. In acht Serien in Folge landete der heimische Vertreter unter den besten Fünf. 2016 holte Fritzlar unter der Regie von Trainer Frank Mai den Titel in der Ost-Staffel. 2019 gelang Coach Cojocar in der West-Staffel die erste Vizemeisterschaft.

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: Hahn