Die Handballerinnen des SV Germania planen weiter drittklassig. Und haben sich entschieden, keine Lizenz für die 2. Handball-Bundesliga zu beantragen.

Dabei hätten sie mit dieser Entscheidung noch Zeit gehabt, weil die Meldefrist für alle Oberligisten in Richtung 3. Liga und alle Drittligisten mit Aufstiegschancen auf den 15. Mai verlängert wurde. „Im Gesamtpaket ist die 2. Liga in der Zeit der Corona-Pandemie für uns nicht zu stemmen. Die Sponsorensuche gestaltet sich nun um Klassen schwerer, so dass wir unseren wirtschaftlichen Rahmen auf die 3. Liga angelegt haben“, sagt der Sportliche Leiter Steffen Schmude.

Bleibt mit Fritzlar drittklassig: Kreisläuferin Luisa Krüger© Pressebilder Hahn

Team und Trainer verzichten auf Geld

Das ist unabhängig davon, ob die für Fritzlar offenen vier Saisonspiele noch über die Bühne gehen oder nicht. Mit 29:7-Punkten bei 458:384-Toren ist das Team von Trainer Lucky Cojocar Spitzenreiter der Ost-Staffel. Das letzte Heimspiel gegen die TS Herzogenaurach müsste in Gensungen oder Gudensberg ausgetragen werden, weil der Germania wegen Renovierungsarbeiten in Fritzlar für die kommenden Monate keine eigene Halle zur Verfügung steht.

In der Krisenzeit hat das Team derweil ein ganz starkes Zeichen gesetzt. Rückwirkend für den halben Monat März und bis auf Weiteres verzichten Trainer, die Spielerinnen und Physiotherapeuten vollständig auf die vertraglich vereinbarten Gelder. „Da wird gerade echter Teamgeist bewiesen. Mit so einer Mannschaft und so einem Verein können wir uns glücklich schätzen und jede Krise überstehen“, erklärte der 1. Vorsitzende Klaus-Peter Hauser.

Schon 26 Spielerinnen für beide Teams

In den Kaderplanungen für die 3. Liga und die Oberliga nach dem geschafften Aufstieg der zweiten Mannschaft sind die Domstädterinnen sehr weit. Nachdem Kreisläuferin Luisa Krüger nun auch ihre Zusage für ein weiteres Engagement gegeben hat, sind nach den Neuzugängen Paula Küllmer, Alena Breiding (beide Kirchhof) und Anamaria Puda (eigene Reserve) 13 Akteurinnen fix – ebenso viele wie für die zweite Mannschaft, die Melina Horn übernimmt.

Kompensiert werden müssen die Abgänge von Torfrau Vanessa Maier, Kapitänin Esther Lieber (beide Karriereende) und Kreisläuferin Lorena Lorenz, deren Aushilfe sicher endet. „Das sind drei Kanten, die uns wegbrechen. Der neue Kader muss sich erst finden“, sagt Schmude, der in allen Bereichen auf mehr Durchlässigkeit hofft. Dann erstmals mit einer A-Jugend, die sich der Qualifikation zur Oberliga stellen soll. Trainer wird wie berichtet Harald Birk. Ein Gros dieser Talente reifte bislang in der B-Jugend von Eintracht Baunatal.

Das sind Hoffnungsschimmer für die Zeit nach Corona. Denn nachdem Fritzlar 2016 als Meister auf die 2. Liga verzichtete und sich diese Geschichte jetzt unter anderen Vorzeichen wiederholen könnte, weiß Schmude: „Noch mal können wir das nicht bringen. Sollten wir wieder Meister werden, wagen wir das Abenteuer 2. Liga. Sonst wären wir unglaubwürdig.“

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: Hahn