Für Kreisläuferin Lorena Lorenz genießt die Familie jetzt Priorität

Als Fan bleibt Lorena Lorenz der SV Germania Fritzlar treu, doch als Spielerin steht die junge Mutter dem heimischen Handball-Drittligisten nicht mehr zur Verfügung.

Sportler tun sich mit ihrem Karriereende mitunter schwer. Weil sie ihren guten Ruf verlieren können, wenn sie zu lange aktiv sind. Oder sich ärgern müssen, zu zeitig gegangen zu sein. Lorena Lorenz hat sich nochmal auf gehobenes Drittliga-Niveau gekämpft – und beendet ihre Handball-Laufbahn somit im Trikot des SV Germania Fritzlar mit Stolz.

Hinein ins Vergnügen: Fritzlars Lorena Lorenz (am Ball), die ihre Karriere beendet hat, lässt hier Markranstädts Lena Smolik stehen.© Pressebilder Hahn

„Aufgrund dessen, dass ich viel verletzt war, war es mir umso wichtiger, meine letzte Saison trotz Schwangerschaft vernünftig abzuschließen“, betont die 31-Jährige. Und nennt somit auch den kleinen Grund, warum sich die Prioritäten verlagert haben. Am 7. Oktober 2018 wurde die Kreisläuferin erstmals Mutter.

„Lolo ist ein absolutes Vorbild“

Vermissen mussten die Domstädterinnen ihre Kapitänin dennoch nicht. Lorenz versäumte kaum eine Einheit, um nah an der Mannschaft zu bleiben. Und diente im Training mit ärztlicher Erlaubnis zumindest als Anspielstation. Auch als Unterstützung bei den Spielen war sie mittendrin. „Lolo ist ein absolutes Vorbild“, lobt Trainer Lucky Cojocar die Lohfeldenerin, die er bereits in Kleenheim als Stammkraft schätzengelernt hatte.

Drei Jahre dritte Liga spielte sie bis 2013 bei den Mittelhessinnen, um mit ihrem heutigen Ehemann zusammen zu leben. Da hatte sie eine erste Karriere schon hinter sich. Stets als Kreisläuferin, denn im Tor war es ihr zu langweilig. Mit 16 debütierte sie in der Regionalliga in Lohfelden unter Trainer Kalli Wolf. Ein Jahr später war zusammen mit ihren Freundinnen Esther Meyfarth, Melina Horn und Vilte Duknauskaite eine der Ersten, die in Bad Wildungen auf dem Internat reiften, Jugend-Bundesliga spielten und die heutigen Vipers parallel aus der Landesliga bis in die 2. Bundesliga nach oben brachten. Zusatzschichten für knallharte Abwehrarbeit unter Trainer Gerry Weiss inklusive.

Karriere in drei Akten

Während diese Aufstiege geplant waren, kam der dritte Akt in ihrer Laufbahn unverhofft. Nach einer privaten Pause half sie ihrer ehemaligen Weggefährtin Kerstin Pregler (ehemals Keim) 2014 im Saisonfinale der Bezirksoberliga aus, um der Homberger TS den Klassenerhalt zu sichern. Da wurde mit Viktoria Marquardt die nächste Ex-Wildungerin hellhörig und lotste die Kreisläuferin in die Domstadt.

Zwei Jahre zweite Mannschaft in Fritzlar weckten Lust auf mehr, so dass Lorenz ab 2016 wieder fester Bestandteil eines Drittligisten wurde. Eine Beförderung mit Verzögerung. Gleich in der Vorbereitung zog sie sich einen Kreuzbandriss zu. Da die Operation nicht gut verlief, musste sie im Februar 2017 ein zweites Mal unters Messer. Was sie nicht daran hinderte, regelmäßig im Training und als Betreuerin bei den Spielen dabei zu sein.

Sohn und Ehemann haben jetzt Priorität

Zusätzliche Motivation, sich noch einmal zu schinden, brachte die Verpflichtung Cojocars als Trainer. Zweimal vertrat sie ihn sogar, als er beruflich verhindert war. Selbst Trainerin zu werden, ist in Zukunft durchaus eine Option. Jetzt genießen aber Sohnemann Carlo und Ehemann Magnus Künkler, der seine Fußball-Karriere bei der TSG Sandershausen ebenfalls beendet hat, Priorität.

Der Germania bleibt sie als Fan treu und hat für Fritzlar noch einen Rat parat: „Um aufzusteigen, sollte man maximal vier Minuspunkte haben. Wir waren leider zu inkonstant“, sagt die 31-Jährige. Sechs Siege aus den letzten sieben Spielen nebst Glanzvorstellung von Lorena Lorenz gegen den 1. FC Köln beim 32:21 sorgten immerhin dafür, dass sich die abwehrstarke Kreisläuferin ein würdiges Karriereende verschaffte.

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: Hahn