Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht. Aus einem Rumpfteam eine erfolgreiche Einheit. Die Mannschaft des SV Germania Fritzlar, die nach vier Siegen die Tabelle der 3. Handball-Liga Ost der Frauen anführt.

Und am Samstag (20 Uhr) bei der HSG Kleenheim-Langgöns vor dem nächsten Prüfstein steht. Denn das Team aus dem mittelhessischen Landkreis Wetzlar strebt einen Spitzenplatz an. Gleich 20 Spielerinnen tummeln sich im Kader. Weitere Talente aus der zweiten Mannschaft (Landesliga) und A-Jugend (Oberliga) scharren mit den Hufen. „Kleenheim ist ein gut geführter Verein, bei dem sich die Jugendarbeit auszahlt“, betont Lucky Cojocar. Fritzlars Coach muss es wissen, denn von 2011 bis 2017 war er der Trainer der HSG.

Gibt die Richtung vor: Fritzlars Trainer Lucky Cojocar.© Pressebilder Hahn

Überaus erfolgreich sogar, denn mit vergleichbar bescheidenen Mitteln gelang dem A-Lizenz-Inhaber 2016 die Meisterschaft in der 3. Liga West und 2017 mit 28:32 Punkten der souveräne Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Allein aus wirtschaftlichen Gründen zog Kleenheim seine Mannschaft danach zurück – und der Rumäne heuerte im Januar 2018 in Fritzlar an. Weiter an Bord von damals sind Rückraumspielerin Tanja Schorradt und Kreisläuferin Katharina Weber, die unter ihrem Mädchennamen Wagner 2014 beinahe bei der SG 09 Kirchhof gelandet wäre.

Ehefrau des Trainers spielt auf Linksaußen

Herausragend beim Tabellenfünften ist zudem die erstliga-erprobte Spielmacherin Stina Karlsson (TuS Metzingen). Wirkungsvoll auf den Flügeln wirbeln auf rechts Lisa Marie Kiethe, die im Nachwuchsbereich des Thüringer HC reifte, und Janina Langenbach, die Ehefrau von HSG-Coach Marc Langenbach. Der heute 37-Jährige stieg selbst mit dem TV Hüttenberg 2011 in die 1. Bundesliga auf.

„Das Umschaltspiel wird noch wichtiger“, betont Cojocar vor dem Vergleich mit seinem Ex-Verein. Zwei Torhüterinnen und acht Feldspielerinnen müssen es weiterhin richten. Wobei mit Janina Dreyer eine Schlüsselspielerin aufgrund Adduktoren-Beschwerden fraglich ist. Noch etwas Geduld ist bei Kathleen Nepolsky gefragt, die weiter im Aufbautraining steckt. Bei beiden gilt die Maxime: Kein Risiko. Schließlich soll aus der neuen Tugend keine neue Not entstehen.

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: Hahn

Der Gegner Schreibt:

Der Spitzenreiter kommt

Ein alter Bekannter stellt sich am Samstagabend (20 Uhr) in der Weidig-Sporthalle in Oberkleen vor, wenn die HSG Kleenheim-Langgöns in der 3. Frauenhandball-Liga (Staffel Ost) ihr drittes Heimspiel bestreitet. Ein Geschenk in Form von Punkten hat Lazar Cojocar aber für seine alte Mannschaft sicherlich nicht vorgesehen, denn mit Germania Fritzlar möchte der ehemalige SGK-Trainer die Tabellenführung verteidigen. Die bislang weiße Weste der Nordhessen besudeln will dagegen das Team von Trainer Marc Langenbach.

„Fritzlar ist Tabellenführer, hat bislang alle seine Spiele souverän gewonnen, weshalb wir am Wochenende krasser Außenseiter sind“, sind für den SGK-Coach die Rollen vor dem Duell am späten Samstagabend zwar klar verteilt. Dennoch gibt sich Langenbach vorher noch lange nicht geschlagen. „Wir wollen zu Hause einfach ein gutes Spiel zeigen und müssen dafür in der Abwehr wieder so gut stehen wie in der bisherigen Saison. Dazu muss es uns gelingen, noch mehr ins Tempo zu kommen, um mehr einfache Tore zu erzielen.“

Was allerdings alles andere als einfach werden dürfte, denn die Fritzlarerinnen spielen bislang eine blitzsaubere Saison. Die beiden bisherigen Auswärtsspiele (30:26 beim Thüringer HC II, 25:21 bei der TSG Eddersheim) wurden ebenso siegreich gestaltet wie die zwei Heimauftritte (31:27 gegen Rodgau/Nieder-Roden, 27:18 gegen Halle-Neustadt II). Dabei ist die Liga für die Nordhessinnen in gewisser Weise Neuland, im vergangenen Jahr lief das Team von „Lucky“ Cojocar noch in der West-Staffel auf und wurde dort Vizemeister. Dass die Mannschaft aus dem Schwalm-Eder-Kreis damit auch in dieser Saison zu den hochgehandelten Teams gezählt wird, überrascht daher nicht. Und ganz so unbekannt ist den „ungünstig gelegenen“ Fritzlarerinnen die Ost-Staffel dann doch nicht, bereits zum sechsten Mal in den letzten neun Jahren musste die Germania die Klasse wechseln. „Fritzlar hat eine seit Jahren eingespielte Mannschaft und beispielsweise mit Esther Lieber oder Bibana Huck tolle Spielerinnen. Insgesamt ist es aber schwer, sich auf einzelne Akteure zu konzentrieren, denn jede Spielerin besitzt individuelle Klasse“, hat Langenbach eine hohe Meinung vom Tabellenführer, sieht in der Außenseiterrolle aber auch Vorteile. „Wir sind diesmal nicht der Favorit und stehen daher nicht so unter Druck, sondern können befreit aufspielen.“

Personell sind vor dem Wochenende noch ein paar wenige Fragen offen. Die zuletzt fehlende Tanja Schorradt lag auch bis zur Wochenmitte noch mit einer Grippe flach, weshalb hinter ihrem Einsatz doch ein großes Fragezeichen steht. Janina Langenbach plagt sich seit der Partie in Herzogenaurach mit Nacken- bzw. Rückenproblemen herum, dürfte am Samstag aber im Kader stehen.

Giessener Allgemeine /// Marc Steinert /// (LINK)